Hufelandverzeichnis

Patienten-Informationen für Alternative Medizin

Erstattung von Arzneimitteln der Komplementärmedizin

Junge Familien interessieren sich meist schon zu Beginn der ersten Schwangerschaft für komplementärmedizinische Behandlungsalternativen. Bereits bei einer Vielzahl junger Erwachsener gehören diese Behandlungsalternativen zum Lifestyle und auch Senioren zeigen großes Interesse daran. Die Komplementärmedizin kann eine ganze Menge dazu beizutragen, gesund alt zu werden. Da stellt sich die Frage: Erstatten die Krankenkassen Arzneimittel der Komplementärmedizin?

Komplementärmedizin oft immer noch Igel-Leistungen

Sowohl GKV als auch PKV bieten ihren Patienten bereits über neu eingeführte Satzungsleistungen und Zusatztarife die Erstattung von komplementärmedizinischen Verfahren und auch von Arzneimitteln der Komplementärmedizin an. Diese Angebote wurden eingeführt, weil sich die Bevölkerung die komplementärmedizinischen Behandlungen wünscht und auch gerne nutzt! Einige der Therapien und komplementärmedizinischen Verfahren sind "Individuelle Gesundheitsleistungen", welche auch von Kassenärztinnen und -ärzten angeboten werden. Diese müssen Patienten selbst bezahlen. Die Hufelandgesellschaft fordert die Implementierung der Komplementärmedizin in die Leistungen der GKV.

Wann erstatten die Krankenkassen die Kosten für alternative Heilmethoden?

Generell gilt, dass homöopathische Arzneimittel über eine Krankenversicherung nur dann abgerechnet werden können, wenn ein studierter Mediziner mit der entsprechenden Zusatzausbildung das Naturheilverfahren durchgeführt hat. Eine Behandlung beim Heilpraktiker wird von den Krankenkassen nicht übernommen, diese Maßnahmen muss man als Patient aus seiner eigenen Tasche bezahlen. Ehe sich also jemand mit komplementärmedizinischen Heilmethoden behandeln lässt, sollte der Patient eine Rücksprache mit der für ihn zuständigen Krankenkasse halten. Damit geht man Problemen bei der Kostenerstattung aus dem Weg.

Die Kostenübernahme der Behandlungen mit Homöopathie und Komplementärmedizin ist gewährleistet, wenn:

  • Der behandelnde Arzt eine Zusatzausbildung für Komplementärmedizin besitzt.
  • Eine medizinische Notwendigkeit für die Indikation besteht
  • Schulmedizinische Maßnahmen ausgereizt sind
  • Heilungschancen bei einer chronischen Erkrankung belegbar sind
  • Der Patient mit seiner Krankenkasse eine Absprache im Vorfeld getroffen hat.

Die GKV kann eine Kostenübernahme von Heilverfahren mit Komplementärmedizin ablehnen, wenn:

  • das Budget der Therapie die Kosten einer Schulmedizin übersteigt
  • die Kosten über dem Regelsatz für die Behandlung der hier vorliegenden Erkrankung liegen.
  • die Behandlung ohne eine vorherige Absprache erfolgt ist.
  • es werden nicht alle alternativen Heilmethoden übernommen und in erster Reihe bei längerfristigen Therapien, wie eine wiederholte Akupunktur werden nicht übernommen.

Erstattet werden von den Krankenkassen folgende Dinge aus der Komplementärmedizin

Die Krankenkassen (z.B. die TK) erstattet die Kosten für homöopathische Arzneimittel, solche für die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) und auch für Arzneimittel der Anthroposophie.

Die Voraussetzung für eine Erstattungsfähigkeit von der Krankenkasse ist, ein Privatrezept vom Arzt dafür oder ein grünes Rezept. Versicherten treten in diesem Fall erstmal in Vorleistung und bezahlen die Rechnung des Medikaments in der Apotheke. Das Rezept reichen sie mit der Verordnung und zusammen mit der Quittung aus der Apotheke bei der Krankenkasse ein, die das Geld dann erstattet.

Die Techniker Krankenkasse beispielsweise übernimmt Kosten für alternativen Arzneimittel zu 100 % - bis zu dem Höchstbetrag von 100 Euro in einem Kalenderjahr und pro Versicherten.
Auch die gesetzlichen Leistung werden für Arzneimittel von Kindern bis zum 12. Lebensjahr und von Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen bis 18. Lebensjahr werden entsprechend der Satzungsleistung übernommen.

Übernommen werden auch Arzneimittel für die Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen und zwar nach der "Ausnahmeliste des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)", wenn diese den Arzneimittelrichtlinien nach als Therapiestandard eingestuft sind. Medikamente, die per Gesetz oder vom G-BA im Leistungskatalog nicht vorgesehen sind - beispielsweise Appetitzügler, Haarwuchsmittel, bestimmte Nahrungsergänzungsmittel erstatten die Krankenkassen nicht.

Die komplementäre Misteltherapie für Krebskranke wird von den Kassen übernommen darüber gibt es sogar ein Gerichtsurteil vom Bundessozialgericht. Anthroposophische Mistelpräparate sind nach den Urteil durch gesetzliche Kassen zu bezahlen, wenn diese in einer palliativen Therapie von malignen Tumoren eingesetzt werden. Sie werden aber nicht übernommen, wenn sie der adjuvanten Krebstherapie dienen werden. Die Hufeladgesellschaft tritt dafür ein, dass immer mehr Medikamente der Komplementärmedizin erstattet werden. Es gibt auch ein Urteil des BFH welches die Komplementärmadizin mit der Schulmedizin gleich stellt. Die Aufwendungen für eine Behandlung sind damit steuerlich absetzbar wen sie den gesetzlich festgelegten Betrag von 1 bis 7 Prozent des gesamten Einkommens überschreiten.

Komplementärmedizin ist steuerlich absetzbar

Die Kosten für Komplementärmedizin sind meist erheblich und nicht alles wird von den Krankenkassen übernommen, da stellt sich die Frage, ob diese Behandlungskosten nicht bei der steuer abgesetzt werden können. Der Bundesfinanzhof hat nun ganz klar festgestellt, dass die Kosten für homöopathische, anthroposophische oder phytotherapeutische Behandlungen außergewöhnliche Belastungen sind und bei der Steuer abgesetzt werden können, wenn diese Behandlung eine Ärztin bzw. ein Arzt mit der entsprechenden Zusatzausbildung verordnet hat.

Komplementärmedizin wurde als integrative Medizin eingestuft

In seinem Urteil um den Streitfall hat der BFH (Bundesfinanzhof) entschieden, dass Aufwendungen für die zur Komplementärmedizin gehörenden heileurythmische Behandlungen außergewöhnliche Belastungen sind und damit steuerlich abgesetzt werden können. Das Urteil wurde bereits am 26. Februar 2014 (Az. VI R 27/13) gefällt aber erst Ende Juni des gleichen Jahres veröffentlicht worden.

Für Bade- und Heilkuren und für wissenschaftlich noch nicht anerkannte Behandlungsmethoden ist ein amtsärztliches Gutachten alternativ die Bescheinigung vom Medizinischen Dienst der zuständigen Krankenversicherung als Nachweis einer Zwangsläufigkeit das vor Beginn der Heilmaßnahme ausgestellt wurde, vorzulegen (§ 64 Abs. 1 Nr. 2 EStDV).

Der BFH hat nach dem Urteil aus erster Instanz des Finanzgerichts von Schleswig-Holstein im 17. April 2013 (Az. 5 K 71/11) entschieden, dass der Nachweis der "Zwangsläufigkeit" (vgl. § 33 EStG) von Aufwendungen für eine Heileurythmie bei einer Erkrankung bereits die Verordnung des behandelnden Arztes ausreicht. Der BFG ist damit den Argumenten gefolgt, die besagen, dass die Heileurythmie ein Heilmittel der vm Gesetz anerkannten besonderen Therapierichtung der Anthroposophischen Medizin ist und es hierbei nicht um eine sogenannte "wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethode" geht, für die explizit der qualifizierte Nachweis in Form eines Gutachtens durch den Amtsarzt oder in Form einer Bescheinigung vom MDK erforderlich wäre.
Das Urteil war in dem Fall für Aufwendungen für Heileurythmie, jedoch gelten die Aussagen aus dem Urteils gelten ohne Einschränkungen für auch für andere Heilmittel von Besonderen Therapierichtungen, dazu gehören auch die Akupunktur, Homöopathie und Phytotherapie.

Ehe allerdings diese außergewöhnliche Belastung bei der Steuer geltend machen kann, muss die "zumutbare Belastung" von 1 bis 7 % des Bruttoeinkommens erst ohne steuerliche Unterstützung aufgebracht werden. Die "zumutbare Belastung" hängt demnach vom Einkommen ab.

Die Komplementärmedizin kombiniert unterschiedliche medizinische Schulen!

Dr. Ralf Heinrich von der Praxisklinik für Integrative Medizin aus Berlin sagt:

Die Komplementär- und Integrative Medizin lebt davon, dass sie unterschiedliche medizinische Schulen kombiniert.

Er verweist auf das oben beschriebene Urteil des BFH und freut sich, dass dieses ein Schritt in die richtige Richtung sei für die Gleichberechtigung der Naturheilkunde.

Das Urteil für die steuerliche Behandlung der Naturheilkunde ist nicht allein eine Aufwertung der Integrativmedizin und der Komplementärmedizin, es stellt sie steuerlich auf die gleiche Ebene wie die Schulmedizin.

Dies geht einher mit unserem therapeutischen Anspruch an die Integrative Medizin, Schul- und Naturmedizin zu vereinen, um die Wirkungschancen zu erhöhen. Dies gilt auch und gerade in der Onkologie.

Dr. Heinrich

Bei der Behandlung von Menschen mit einer Krebserkrankung, verfolgt die komplementäre Medizin zwei wichtige Ziele. Auf der einen Seite bekämpft sie die Krebserkrankung direkt, auf der anderen Seite ist sie bestrebt Gesundheit möglichst gut zu fördern. Auf diese Weise findet der Körper sein Gleichgewicht und kann Krankheiten aus eigener Kraft abwehren. Die Ärzte und Kliniken für Integrative und komplementäre Medizin vernetzen dazu konventionelle mit naturheilkundlichen und auch anderen Therapieformen. Das sind beispielsweise die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), anthroposophische Medizin, Homöopathie oder die Cellsymbiosis-Therapie. Naturheilverfahren ergänzen die Strahlenmedizin bzw. Chemotherapie und fügen sie in ein gesamt Therapie-Konzept ein. Die Komplementäre Medizin möchte die konventionellen Therapien nicht ersetzen. Sie will alle Möglichkeiten perfekt Kombinieren und in einem ganzheitlichen Konzept integrieren. Das ist dann individuell auf jeden Patienten und dessen Bedürfnisse abgestimmt. Das Credo hat auch die Rechtssprechung so gesehen.